Samstag, 4. Oktober 2008

Fingerfood X

Fingerfood X

1.

In die Schnecke gewunden, am Holzgeländer, im Treppenhaus, ihr Kaugummi. Sie war Gynäkologin – war sie schon immer gewesen.

2.

Herr K. las schon wieder auf dem Bahnhofsklo brechtsche Kurzprosa. Er hatte hinzugefügt: Ich komme mir bekannt vor.

3.

Sie riet vom Aderlass ab. Als er sie nicht mehr überzeugen konnte, wusste er: sie hatte Recht gehabt.

4.

Ich hatte einen Traum. Ich habe zwischen Wattepads Milkaweihnachtspralinen gesucht, während in unserem Vorgarten das Wasser an die Bordsteinkante stieg.

5.

Diesen Sonntag wird sie zusammen mit Joshua bei Joshua zum ersten Mal morgens Sonntägliches tun. Er wird ihr genau erklären, wie aus Erfahrenem Erfahrung werden kann.

6.

Er hob die Seife wieder auf - doch sie glitschte ihm wieder aus den Händen. Langsam wurde er wieder nervös: was, wenn ihm das später einmal wieder so passiert?

7.

Sie hatten noch genügend Zeit gehabt, trotzdem verließen sie das Ufer früher als erhofft. Die Fackeln, in den steinigen Strand gesteckt, verloschen, auch nach ihrer Flucht, nicht.

8.

Als sie aus der Tür trat, war ihr weinroter Schal locker um den Hals gelegt. Katzenhaft zogen sich die Pupillen kurz zusammen; er war heute sehr entgegenkommend gewesen.

9.

Er, als Manager, wusste, Lokalband oder nicht: nach der Jamsession explodieren die Amps. Er hängte das fein geschliffene Schwert dekorativ an seinen gewohnten Platz.

10.

Jeden Sonntag kommt er aus derselben Richtung nach Hause, er wischt seine Schneide ab, gönnt dann den Füßen ein Bad, bis über die Knöchel hoch. Er arbeitet auch Werktags.


- - -
[c] m.t. & r.d.

Freitag, 26. September 2008

frühling

frühling


für die bäume wird die tusche knapp
im flug

zwei bögen und mitschwingendes


- - -
[c] richard duraj

erzähle doch

erzähle doch vom graurand unruhiger wolken
an frühen kühlen morgen den selbstgedrehten
vorm firmentor und was du anhattest als
die erste strophe vorüber war mit deinem tod

ein anfang den versen an denen wir uns fest-
und aushalten konnten nach einer nachtschicht
so hell wie nie wieder lag noch ein glimmender
filter auf dem asphalt


- - -
[c] richard duraj

Montag, 15. September 2008

-

länger war dieser blog mehr als inaktiv. jetzt soll er wieder von mir genutzt werden. ich wünsche viel spaß.

jl

oberflächenspannung

angehaucht vom film noir die angeschlagenen schatten eine ahnung
der nebelleere, dort hinterm schädelrest dehnt sich graustufig ein gedanke aus
backstein gut behütet & küssen zur kulisse mit einem schuss sehn
sucht im glas verstecke für nikotinpflaster ummantelte momente wie eine
flucht vor häusern & natürlich: nichts weiter / wir müssten . . . einsinken und

zurück / in die farben

- - -
[c] richard duraj

Donnerstag, 13. März 2008

kürzlich gesehen: zeitgeist

an mir ist der gesamte spuk bzw. internet-hype glücklicherweise vorübergegangen, erst jetzt gesehen. viel gibt es zu dem film nicht zu sagen, es sind eben die heute sehr gewöhnlichen verschwörungstheorien, geschichtsalternativen zum mainstream (wobei mir in diesem fall nicht mehr klar ist, was mainstream, was gegenströmung). die dokumentation hätte besser sein müssen, da sie interessante denkanstöße bieten könnte, doch machten mir viel leerlauf, unsinnig psychodelische bilder und die grausam manipulativ-antreibende musik den film zunichte (sehr 'clockwork orange'), abgesehen davon, dass super-über-alles-ist-böse- verschwörungen nicht meine welt sind. letzten endes erfährt man auch kaum wirklich neues (oder wahres). wobei ich den ersten teil (religion, ursprung des christentums) ganz amüsant fand.

wertung: 2.5 von 5 sternen.

links:
offizielle seite
wikipedia - zeitgeist the movie
the skeptic's dictionary

Dienstag, 11. März 2008

kürzlich gesehen: (john) rambo

vierter film einer serie des tötens im namen hollywood'scher popcornästhetik. mit seinen schablonen- menschen* und der exzessiven gewaltdarstellung ist es nur ein bedingtes vergnügen. und irgendwie ist der film durch julie benz' charakter auch eine kreuzung aus tarzan und king kong, mit einem hauch 'tränen der sonne'. durch slys geniales drehbuch auch noch ein bisschen 'apocalypse now redux' und 'robin hood' und und und

*bsp: der böse obermotz ist zwei einstellungen lang pädophil, als wäre er nicht schon genug arschloch für einen film. aber vielleicht dient dieses 'türeauf jungerein türezu türeauf jungeraus türezu' als charakterstudie des 'antagonisten', damit der gegner nicht allzu blass bleibt. - der humanitäre helfer ist ignorant gegenüber der tatsächlichen situation (sprich: du verwirkst dein leben kurz nach der grenze, und: ohne waffengewalt ändert sich gar nichts, wie rambo weiß) in burma. - stereotype söldner a la 'predator'

wertung: 2 von 5 sternen.

links:
offizielle seite
rottentomatoes - rambo
wikipedia - myanmar (burma)

Montag, 10. März 2008

mario [i]

vater, damals papa, drehte sich zu mir, der ich neben ihm am tisch stand; dies tat er in jenen jahren bei seinen belehrungen gelegentlich. ich tat es in jenen jahren mit meinen kindgerechten wünschen häufig, vielleicht täglich, bis ich [...] sein linker ellenbogen drückte gegen die stuhllehne, die dazu passende hand ruhte auf dem knie, der andere ellenbogen auf dem küchentisch stützte den rechten arm ab, ließ ihn etwas zittern. die rechte hand kreiste vor meinem gesicht, also kreiste auch die nicht abgebrannte zigarette nah am rechten oder linken auge, hin und her & viel zu nah, als er mich belehrte, mir etwas sehr wichtiges beibrachte: "wenn du stirbst, wird gott über dich richten. wie er über alle richtet, wie er über deine mutter schon gerichtet hat, wie er über mich richten wird. gott wird sich dein leben ansehen, alles leben sieht er jetzt schon, wenn er’s nicht missachtet, ja? der herr wird es sich ansehen, in all den kleinen details und weißt du, was er vor allem sehen wird aus deiner kindheit, mario?" ich wusste die antwort, papa & vater hatten eine ähnliche schelte schon - "er wird sehen, wie du in jeder freien minute deiner kindheit in der nase gebort hast, mario. und danach wird er sich richten und dich richten." ich blieb still und achtete auf die abbrennende zigarette und die asche, die nicht abfallen wollte.

- - -
[c] richard duraj

Sonntag, 9. März 2008

zuerst die szenerie

zuerst die szenerie aus zigaretten im schnaps
glas neben den stehenden den in schatten geschnittenen
winkeln in einer hüftberührung als vertriebene
zeit auf einer veranda sangen sie soylent grün ist

menschenfleisch kurz vorm gewitter formlos
in altem licht das älter wurde sangen sie kaum mehr
& mehr ein geflüstertes echo herbei wie ein zittern
ungenauer als der kuss oder jene linie über den sparren

- - -
[c] richard duraj

Samstag, 8. März 2008

moloko - the time is now [i]

sieht man sich das musikvideo zur moloko-single bewusst ohne ton an, wird das schauen, beobachten - trotz nicht weniger schnitte zur richtigen zeit - bald unerträglich; die geduld verlässt einen. das ist die wichtige erkenntnis, die ich aus einem solchen verzicht gewinnen konnte: ohne antreibende musik durch schlagzeug, klavier und gitarre und den dynamisch-mehrstimmigen refrain würde dieses video seine kraft nicht entwickeln.

nun, was steht im vordergrund? vielleicht ist es róisín murphys wandlung von der zugekniffen- zurückgezogenen zu einer mutigen entgegenseherin, die durch das lied dem licht, sprich einer gewissen vision des augenblicks, einer ahnung des aufstiegs (meeresspiegel - bergspitzen - über den wolken) gewahr wird - hier fließen übrigens zum ersten und letzten mal refrain und murphys strophen zusammen. - ob dies zu beeindrucken weiß? nicht unbedingt, doch finde ich den aufbau des films gelungen und will mich nach und nach mit ihm auseinandersetzen.
das lichtmotiv, die stetige aufhellung der räume oder besser: von murphy und dem fenster und der extras (band, instrumente), zieht sich von anfang bis ende durch. dreimal begegnet die sängerin diesem licht, zuerst, ziemlich früh, nur neugierig bemerkend bzw. genießend, da von einer kalten zur warmen beleuchtung gewechselt wird. gegen mitte des songs wird dieses licht zu viel für murphy, sie kneift die augen zu, gleich darauf kauert sie überwältig (verwundet?) am boden. beim dritten mal kann sie diesem licht (für was dieses jetzt genau stehen soll, beantworte ich vielleicht ein anderes mal) mit aufgerissenen augen entgegentreten, die vision annehmen, sich dem augenblick hingeben. doch auch danach ist es noch zu viel, die sängerin muss sich auch hier erholen. gewonnen ist die erkenntnis, die eigentlich schon so häufig im lied zu hören war: let's make this moment ... last. und dunkelheit umgibt murphy am ende, nach den letzten tönen.

- - -
soviel für heute zu moloko.

jl

- - -

nachtrag: man kann sich natürlich fragen: wozu dies? ich sehe es als annährung ans sehen, auch eine übung darin, darüber zu schreiben.

wieder von vorne.

sich also wieder an den anfang setzen, dachte ich mir gestern abend bei einem gespräch mit _VEL über das beenden älterer kapitel. der ab- & verschluss dieser letzten gelegentlichen jahre - ich will keine retrospektive betreiben, nicht unbedingt, da ich neu ansetze - wird zuerst einmal gut tun.

was wird hier stehen?

beobachtungen zu filmen, musik. literatur, wenn ich kann. lässt es sich nicht mehr vermeiden, ein paar eigene gedichte, eigene kurzgeschichten. alltagsbetrachtungen als müßiges muss, wer weiß. dann und wann ein link.

dies für den anfang.

jl.

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oberflächenspannung
angehaucht vom film noir die angeschlagenen schatten...
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Deine Zeilen gehen tief... (auch...
Deine Zeilen gehen tief... (auch wundervolle Texte...
@miro (anonym) - 31. Mrz, 18:23
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jottel - 14. Mrz, 08:34

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